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BEZIRKSGRUPPE:
BAYERN
Rückblick
Herbsttagung 2007 der Bezirksgruppen Bayern des ZELLCHEMING und des VPM
Die unter dem Themenschwerpunkt „Energieversorgung und Abwasserbehandlung“ stehende Herbsttagung der Bezirksgruppen Bayern des Vereins Zellcheming und des VPM fand auf Einladung der Technocell Dekor GmbH & Co KG Günzach am 09. November 2007 statt.
Trotz der bereits winterlichen Wetterbedingungen fanden 38 Mitglieder den Weg ins Allgäu. Positiv hervorzuheben ist die Teilnahme eines Abgesandten der Aktivitas der FH München. Die Vortragsreihen der Bezirksgruppe, verbunden mit den Möglichkeiten der Besichtigung der Produktionsanlagen des Gastgebers und des Veranstaltungspartners ermöglichen den Studenten einen guten Einblick in unseren Industriezweig und der dazugehörigen Zulieferindustrie. Es wäre zu begrüßen wenn wir bei der kommenden Tagung noch mehr Zuspruch durch die Studentenschaft bekommen.
Den Eröffnungsvortrag hielt Georg Haggenmüller, Werksleiter, mit einem Überblick über das Produktportfolio der Technocell Gruppe.
Mit einer Gesamtkapazität von ca. 200 000 Tonnen pro Jahr ist Technocell Dekor ein weltweit führender Hersteller von Dekorpapieren. In fünf Werken in Europa und Nordamerika werden mit gut 700 Mitarbeitern hochqualitative Papiere für die Holzwerkstoffindustrie produziert.
Das Joint Venture mit dem Unternehmen Mayak, Penza (Russland) dient dem Ausbau der Aktivitäten und der längerfristigen Versorgung der Verbraucher von Dekorpapier im Wachstumsmarkt Russland und anderen GUS-Staaten. Mit einer neuen Dekorpapiermaschine soll die Kapazität der Gruppe ab Mitte 2008 um bis zu 30.000 Tonnen pro Jahr erweitert werden.
Die Technocell Dekor stellt derzeit auf acht Papiermaschinen ein breites Sortenspektrum maßgeschneiderter Dekorpapiere her. Diese Spezialpapiere dienen zur dekorativen Beschichtung von Holzwerkstoffen und werden in bedruckter oder unbedruckter Form mit Kunstharzen durchtränkt und anschließend auf das Trägermaterial laminiert bzw. kaschiert.
Das Sortiment der Technocell Dekor setzt sich zusammen aus LPL-, HPL- und CPL-Papieren in Uni- oder Druckbasisqualität, Kantenpapieren, Folienpapieren, Resin Saving Papers (RSP), Vorimprägnaten, Regeneratpapieren (PRIP®) und inkjetfähigen Dekorpapieren.
Innerhalb der Technocell Dekor Gruppe ist Günzach mit drei Papiermaschinen der Standort mit den größten Kapazitäten (ca. 59.000 to). Hier werden die anspruchsvollen Spezialsorten, zu denen vor allem Kantenpapiere, farbige und intensivfarbige Kleinlosgrößen ab 1 Tonne, sowie einseitig glatte Folienpapiere gehören, gefertigt.
Baldur Kohler, Betriebsingenieur Mechanik, Technocell Dekor GmbH & Co KG, berichtete über \\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\"Effiziente Energieerzeugung im Werk Technocell Dekor Günzach\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\". In seinem Vortrag schilderte er die Installation der neuen 2005 installierten Kraft-Wärmekopplungsanlage. Basierend auf den Schilderungen und Gegenüberstellungen der in der Praxis gängigen Modelle:
\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\"Dampferzeugung in einem Dampfkessel / Elektrische Energie wird von einem Energie¬versorgungsunternehmen geliefert\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\"
und
\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\"Stromerzeugung mittels Wärme-Kraftanlage / Die Abwärme aus diesem Prozess wird zur Erzeugung von Prozessdampf verwendet\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\"
widmete er sich der Darstellung der Vorteile bei der gekoppelten Erzeugung von Kraft (Strom) und Wärme (Dampf).
Bei der geschilderten Kraft-Wärme-Kopplung ist der elektrische Wirkungsgrad zwar niedriger (ca. 30 %), jedoch fällt die Abwärme mit einer so hohen Temperatur an, dass sie in einem Abhitzekessel zur Erzeugung von Prozessdampf verwendet werden kann. Damit wird ein Gesamtwirkungsgrad von ca. 85 % erreicht.
In den schlussfolgernden Betrachtungen traf Kohler folgende Kernaussage:
Umweltaspekt \\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\"Allein das Gasturbinenkraftwerk bei der Technocell Dekor in Günzach minimiert den jährlichen CO2–Ausstoß um 12.000 Tonnen\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\"
Zur Untermauerung dieser Aussagen stellte Kohler die Anlage im Detail vor und ging auf den Aufbau und die Funktionsweise der eingesetzten Gasturbine und den Generator ein.
Die Realisierung dieses ambitionierten Projektes innerhalb von nur 11 Monaten mit der Kesseltaufe am 19.10.2005 ermöglicht der Technocell Dekor eine höhere Flexibilität in der Energieversorgung der 3 Produktionslinien. Die Bestandsanlage mit einem Dreizug-Zweiflammrohr-Rauchkessel kann parallel zur neuen Anlage betrieben werden um Kapazitätsspitzen abzudecken.
Die Betriebserfahrungen wertete Kohler als durchweg positiv:
+ Trotz Bedenken - selbst aus Fachkreisen - konnte eine wärmegeführte Fahrweise unter Berücksichtigung von Stromspitzen realisiert werden.
+ Trotz Bedenken wird das Kraftwerk von Anfang an mit dem gleichen Personal gefahren, wie zuvor der Flammrohrkessel. Die Betreuungszeit der Anlage ist täglich von 6:00 – 10:00. Danach herrscht Rufbereitschaft.
Der Ausbau der Abwasseranlage um eine biologische Stufe zur Behandlung der Produktionsabwässer wurde präsentiert von Dr. Ing. Henry Risse, Leiter Verfahrenstechnik, Krüger WABAG GmbH.
Dr. Risse stellte die Ausgangssituation und Notwendigkeit der Installation der neuen Abwasserreinigungsanlage im Werk Günzach dar. In einem technologischen Exkurs über die Thematik der Abwassereinigung präsentierte er das Konzept des \\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\"MBBR = Moving Bed Bio Reaktor (Wirbelbett-Reaktor)\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\", welches in Günzach angewandt wird (Folie 1 und 2).
MBBR MBBR Aus den MBBR-Technologie Grundlagen leitete er den Aufbau der Abwasseranlage ab, die sich wie folgt zusammensetzt:
1. Sedimentation in den existierenden Dortmundbrunnen (Absetzbecken) zur Abtrennung von Fasern und Pigmenten (Bestand)
2. Sicherheitsstufe Rohrsieb zum Faserrückhalt vor MBBR-Stufe
3. Elimination der organischen Verbindungen mittels trägerfixierter Biomasse auf frei beweglichen Aufwuchsträgern
4. Zweistufiger (Kaskaden-) Prozess, Aufteilung in Hochlast- und Schwachlastreaktor
5. Grobblasige Belüftung zur Sauerstoffversorgung und Umwälzung
6. Zusätzliches Vertikalrührwerk in Schwachlastreaktor zur Umwälzung bei minimierter Belüftung
7. Abtrennung des Überschussschlammes im Lamellenseparator
8. Nachbehandlung (Vergleichmäßigung) des gereinigten Abwassers in der vorhandenen Teichanlage
Weiterhin berichtete er über die ersten sehr guten Betriebsergebnisse und die noch notwendigen Optimierungen der Anlage. Seinen Vortrag schloss er mit dem Fazit: \\\\\\\\\\\\\\\" MBBR = unkomplizierte, Flächen sparende Technologie, geeignet zur Behandlung von Abwässern aus der Fein- und Dekorpapierherstellung\\\\\\\\\\\\\\\".
„Leitgrößen für ein effizientes Energiemanagement“ wählte Bernd Maur, Abteilungsleiter Energie- und Wassermanagement, Forschung, PTS München, als Thema für seinen Vortrag.
Nach der Vorstellung der Beraterfunktion der PTS und die Beschreibung der geplanten Ausgliederung der Beratungsgruppe in eine GmbH präsentierte er dem Auditorium einen Einstieg zum Thema Energie über deren Definition:
 \\\\\\\\\\\\\\\"Energeia\\\\\\\\\\\\\\\" steht bei Aristoteles für den göttlichen Geist oder die Wirksamkeit´, mit dem bloß Möglichen zur Wirklichkeit verhilft.
 Der Engländer Thomas Young schlug 1802 vor, \\\\\\\\\\\\\\\"energy\\\\\\\\\\\\\\\" zur Bezeichnung des Arbeitsvermögens von Maschinen zu verwenden.
 Die Definition als \\\\\\\\\\\\\\\"Fähigkeit zur Verrichtung von Arbeit\\\\\\\\\\\\\\\" brachte erstmals der Franzose Jean V. Poncaelet 1829 ins Spiel.
 Energie kann nur von einer Energieform in eine andere umgewandelt werden. (Julius Robert vom Mayer 1814-1878).
Er schilderte den Aufbau eines Energiemanagementsystems und verdeutlichte am St. Gallener Unternehmensmodell die Implementation eines solchen Systems in die betrieblichen Strukturen. Um die Komplexität eines solchen Projektes darzustellen, erläuterte er den Prozess der Verbesserung des Anlagenzustandswissens anhand des Modells von Herr Prof. Sturm.
Die Ermittlung von Leitgrößen stellt gemäß seinen Ausführungen, die Ermittlung des eigenen Status der Energieversorgung intern/extern dar, um so durch Abweichungsanalyse Ansätze zur Verbesserung transparent zu machen.
Diese Aussagen untermauerte er an Hand sehr anschaulicher Fallbeispiele.
Leitgrößen Extern:
- \\\\\\\\\\\\\\\"Cutting Edge\\\\\\\\\\\\\\\" Technologien - Vergleich Leerlaufleistungen verschiedener Refinerkonstruktionen (bei gleicher Mahlfläche/sek)
- Phasen und Arten des Benchmarking sowie deren Möglichkeiten
Leitgrößen Intern:
- Pinch Analyse – Beispiel Wärmetauschernetz
- Sankey Diagramm Wärme - Geänderter Wärmefluss
- Überwachung Hilfskondensatoren - Messung des Kondensatorverlustes in Abhängigkeit Produktionsmenge und Sorte, Wärmeverlustberechnungen als Indikator für den Produktionsprozess
- Zustandsbeurteilung von Vakuumsystemen – Krafteinsparung durch Systemanpassungen, Betrachtung einer Anlage nach notwendigen der Vakuumleistungen pro Tonne
- Nutzung aller Potentiale der Regelungstechnik – Systemanalysen, Optimierungen, Integration neuer Ansätze, Regelgüteverbesserung
- IST-Zustandserfassungen
- Betrachtung des Dampfverbrauchs als Jahresgang (Dampfmenge / Aussentemperatur)
- Personalkompetenz aktivieren
In den Diskussionen standen die Referenten allen Fragen aus dem Auditorium Rede und Antwort.
Nach der interessanten Vortragsreihe im Tagungsraum des Gasthofs Goldener Hirsch lud die Technocell Dekor zu einer Bayrischen Brotzeit ein.
Die Diskussionen vom Vormittag wurden während den Besichtigungen der neuen Abwasseraufbereitung und der neuen Kraft-Wärme Kopplung im Werk Günzach fortgesetzt. Abgerundet wurde der Nachmittag durch die sehr gut geführte Besichtigung der Produktionsanlagen.
Die Bezirksgruppen Bayern des ZELLCHEMING und des VPM danken der Technocell Dekor GmbH & Co KG für die Einladung und den Referenten für die sehr interessanten Vorträge.
Die Frühjahrstagung 2008 ist gemeinsam mit dem Österreichischen Papierverband am 06. Juni in Hallein geplant.
Die Einladungen und das detaillierte Programm werden baldmöglichst versendet. Wir bitten Sie, bereits jetzt diesen Termin einzuplanen.
Uwe Scheit
Fotos
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